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Mit Ayurveda gesund und in Ruhe durch die Wechseljahre

Sie lassen sich nicht aufhalten und jede Frau reagiert ganz anders auf sie. Auf wen? Die Wechseljahre. Von manchen gefürchtet, von anderen als persönlicher Kampf betrachtet, ist die Sichtweise auf und das Erleben der Wechseljahre sehr individuell. Jede Frau hat mit anderen Beschwerden zu kämpfen, manche mehr, manche weniger. Das ist aus ayurvedischer Sicht ganz natürlich, weil wir ja auch jede eine individuelle Konstitution haben, die eben einzigartig reagiert.

 

Unsere Grundkonstitution, die wir von Geburt an haben, und unsere jetzige Konstitution, in die wir durch unseren Lebensstil geraten sind, bestimmen höchstwahrscheinlich auch, wie es uns in den Wechseljahren geht.

In der ayurvedischen Lehre dreht sich alles um die drei Doshas (= Funktionsprinzipien) Vata, Pitta und Kapha. Diese bestehen zu unterschiedlichen Anteilen aus den fünf Elementen Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Jeder Mensch hat alle drei Doshas in sich, aber meistens in unterschiedlicher Dominanz. Beschrieben werden die Doshas mit Eigenschaften. So ist Vata z.B. trocken, kalt, leicht und rau, Pitta ist u.a. heiß, scharf, sauer

und flüssig und Kapha ist schwer, feucht, weich und schleimig.

 

Je nachdem, welches Dosha in deinem Körper dominiert, wirst du auch unterschiedliche Symptome in den Wechseljahren spüren.

 

Vata-Frauen spüren vielleicht ein schwächelndes Immunsystem. Die Nerven, Gelenke, Muskeln und Knochen können Probleme machen. Die Haut kann trockener werden. Auch

Schlafstörungen können auftreten.

 

Pitta-Frauen leiden wahrscheinlich unter Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, Hautreizungen und Wutausbrüchen.

 

Kapha-Frauen schätzen zwar den Gang zur Waage nicht besonders, bemerken sonst aber oft wenig von den Wechseljahren.

 

Besonders die beiden Doshas Vata und Pitta müssen daher ausgeglichen werden, und zwar am besten schon ab 40 und nicht, wenn es schon (fast) zu spät ist. Weil folgendes beobachtet wird: je höher die Stressbelastungen, umso heftiger fallen die Wechseljahrproblematiken aus. Die Doppelbelastung von Familie und Beruf und ein Übermaß an fermentierten Produkten und erhitzenden Substanzen belasten den weiblichen Körper und führen zu einer Erhöhung von Vata und Pitta. Unabhängig vom Konstitutionstyp wird der Alterungsprozess von Vata begleitet, was mit einer erhöhten

Krankheitsanfälligkeit und starkem Energieverlust einhergeht.

 

Wenn sich die Wechseljahre anbahnen, wird die monatliche Menstruationsblutung unregelmäßig und bleibt dann aus. Die Eierstöcke und Unterleibsorgane verändern ihre Tätigkeit und Funktionen. Durch die Senkung des spezifischen Hormonspiegels und eine klimakterielle Dosha-Verschiebung verändert sich nicht nur der weibliche Monatszyklus, sondern auch die gesamte Persönlichkeit und Erscheinung erhält neue, bisher ungekannte Qualitäten.

Die hormonelle Umstellung kann zu Nervosität, Gereiztheit oder depressiven Verstimmungen führen. Schmerzen im Bauch und in den Brüsten, Gewichtszunahme oder Wassereinlagerungen sowie Blutungsstörungen aller Art können Frauen in einen Ausnahmezustand versetzen, der häufig schwer mit den vielfältigen Anforderungen eines aktiven Familien- und Berufslebens zu vereinbaren ist. Die Lebensqualität kann unter Umständen stark beeinträchtigt werden.

 

Was kannst du also tun? 

Das hängt davon ab, welches Dosha bei dir besonders erhöht ist.

 

Zu hohes Vata? Wärmen und beruhigen durch Regelmäßigkeit!

 

Bringe Regelmäßigkeit in deinen Alltag und deine Ernährung. Außerdem Süße, Wärme und Ruhe in deinen Tagesablauf einbauen.

 

Eine Massage mit Mandel-, Sesam- oder Johanniskrautöl wirkt Wunder.

 

Möglichst früh ins Bett gehen, zeitig aufstehen und sich zwischendurch Pausen gönnen.

 

Den Tag mit Yoga, Meditation und Wechselatmung beginnen: aufrecht hinsetzen, tief ein- und ausatmen. Dann verschließt der rechte Daumen den rechten Nasenflügel, durch das linke Nasenloch 4 Sekunden weiter ein- und ausatmen. Nun beide Nasenlöcher mit Daumen und Zeigefinger verschließen, den Atem 4 Sekunden anhalten, das rechte Nasenloch öffnen und gleichmäßig 8 Zeiten ausatmen. Bei der nächsten Runde über rechts ein- und über links ausatmen. Mach das 5 bis 10 Runden lang. Eine gute Anleitung findest du auf der App von Yoga Vidya.

 

Besonders empfehlenswerte Früchte sind Avocados, süße Beeren, Datteln, Feigen, Mangos, Orangen, Ananas, Papayas und Trauben.

Bei den Gemüsen werden Fisolen, Melanzani, Fenchel, Kohlrabi, Kürbis, Karotten, Pastinaken, Rote Rüben, Süßkartoffeln und Zucchini empfohlen.

Die besten Vata-senkenden Getreide sind Bulgur, Couscous, Dinkel und Hafer, Kamut, Quinoa, Reis und Weizen.

Eiweißspender sind grüne Mungbohnen, Mungdal, Buttermilch, Milch, Naturjogurt, Nüsse und Samen.

Gewürze sind Ajwain (königskümmel), Anis, Basilikum, Fenchel, Asafötida, Ingwer, Kreuzkümmel, Lorbeer, Majoran, Muskatblüte, Nelke, Oregano, Safran, Salbei, Thymian und Zimt.

 

Tee-Idee für Vata-Frauen:

1 TL Süßholzwurzel. 3 Safranfäden und ½ TL Ingwerpulver in 1 Tasse Wasser und 1 Tasse Milch kochen bis nur noch 1 Tasse Milch übrig ist. Warm mit etwas Rohzucker trinken.

 

Noch mehr dazu findest du in diesem Blog:

https://www.corneliapessenlehner.at/was-wir-tun-koennen-um-unser-vata-im-winter-zu-senken/

 

Zu hohes Pitta? Kühlen, lüften und rauslassen!

 

Der überschüssige Dampf, die Energie müssen regelmäßig abgelassen werden – suche dir ein Ventil dafür. Am besten ist Bewegung: beim Walken, Laufen, Radeln oder aber Kampfsport.

 

Auch Kopf- und Fußmassagen helfen, z.B. am Abend eine Fußmassage mit Ghee, Söckchen drüber und über Nacht wirken lassen. Eine Kopfmassage mit einem Haaröl aus kühlendem Kokosnussöl beruhigt den hitzigen Kopf.

 

Auch über die Atmung kannst du dir helfen: Setze dich entspannt auf ein Kissen im Schneidersitz. Schließe die Augen, strecke die Zunge heraus und rolle diese wie eine Röhre. Sauge während des Einatmens die Luft mit der Zunge wie durch einen Strohhalm ein, schließe den Mund wieder und atme durch die Nase langsam aus. 10 – 15 Mal wiederholen.

 

Folgende Lebensmittel senken dein Pitta:

Das sind vor allem bittere Speisen wie Blattgemüse, Artischocken, Salate und frische Kräuter.

Wir genießen am besten kühlende, saftige, frische und leicht scharfe Speisen.

Alle Beeren, Melonen, Pfirsiche, Birnen, Marillen, Zwetschken, Ananas, Trauben, Zitrusfrüchte und andere saftige Obstarten sind ideal.

Außerdem helfen Gurken, Jogurt und Minze dem Körper, sich zu kühlen. Ein klassisches Raita mittags genossen kühlt hervorragend ab.

Die typischen pittasenkenden K-Gewürze Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander und Kardamom sind ebenfalls hilfreich.

Ausgleichend wirkt alles, das kühl, leicht, trocken, süß, bitter oder zusammenziehend ist.

 

Tee-Idee, um die Hitze des Körpers zu lindern:

1 TL Koriandersamen und 1 TL Kreuzkümmel in 1 Lt. Wasser 20 min. kochen lassen und kühl trinken.

 

Noch mehr dazu findest du in diesem Blog:

https://www.corneliapessenlehner.at/2017/05/30/warum-es-uns-tut-gut-unser-pitta-hitze-im-sommer-zu-senken/

 

Zu hohes Kapha? Anregen, wärmen und bewegen!

 

Kapha-Frauen sind zwar vom Wechsel am wenigsten gebeutelt, kämpfen aber mit Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme. Was hilft, ist der konsequente Verzicht auf

Zwischenmahlzeiten. Außerdem viel Bitteres und Zusammenziehendes essen. Und

bitte keine Diäten, die schwächen dein Agni. Gerne 10 Minuten abgekochtes Wasser trinken, das kratzt die Srotas (=Transportkanäle) aus und reinigt.

 

Atemübung: Beine kreuzen und auf eine zusammengerollte Decke setzen, Hände auf die Oberschenkel, Augen schließen. Einige Male durch die Nase tief in den Bauch einatmen und langsam ausatmen. Nun ruhig einatmen und mit einer kräftigen Kontraktion der Bauchmuskeln stoßartig im Sekundentakt durch die Nase ausatmen. Das Einatmen erfolgt automatisch. Etwa 50 Stöße, dann wieder bequem aus- und einatmen. 3 Runden.

 

Tee-Idee, die Kapha-Frauen bei der Entschlackung hilft:

6-8 Gewürznelken in einem Mörser zerstoßen, in 1 Lt. Wasser kurz aufkochen und in einer Thermoskanne aufbewahren. Warm trinken.

 

Für alle Frauen gilt: regelmäßig entschlacken fördert deine Gesundheit!

 

Regelmäßige Entschlackungsmaßnahmen führen zur Stabilisierung der körperlichen Konstitution. Durch die Menstruationsblutung findet ein regelmäßiger Reinigungsprozess statt. In den Wechseljahren kommt es nun durch dessen Ausfall zu vermehrter Ansammlung von Ama (toxische Stoffwechselansammlungen). Um das angesammelte Ama und die damit verbundenen Symptome abzubauen, wird empfohlen, statt der Menstruationsblutung regelmäßige Reinigungskuren in Form von Fasten- und Abführtagen einzulegen.

 

Heilpflanzen für die Wechseljahre:

 

  • Amalaki (Emlica officinalis): die Amla-Frucht hält Frauen im Alterunsgprozess gesund, verjüngt und regeneriert. Ihre kühlende Wirkung tut im Wechsel gut.
  • Ashwagandha (Withania smnifera): Die Wurzel wirkt stärkend, schlaffördern und stresslindernd. In den Wechseljahren ist sie bei psychosomatischen Beschwerden eine sehr gute Unterstützung.
  • Brahmi (Bacopa monniera): Brahmi ist die berühmteste mental wirkende Pflanze der ayurvedischen Lehre. Gerade in den Wechseljahren, in denen viele Frauen mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen haben, hilft diese Pflanze enorm.
  • Kumari (Aloe vera): kühlt die Hitzeprozesse.
  • Shatavari (Asparagus racemosus): gilt als DIE Frauenpflanze und wird zur Regulation der Menstruation, zur Stärkung der Fruchtbarkeit, zur Begleitung der Schwangerschaft, Förderung der Milchbildung in der Stillzeit und in den Wechseljahren eingesetzt.

Alle diese Pflanzen sind sehr kraftvoll und sollten nicht ohne den Ayurveda-Therapeuten deines Vertrauens verwendet werden!

 

Hervorragende Rezepte und Anwendungen findest du im Buch von Kerstin Rosenberg/Dr. med. Kalyari Nagersheth/Dr. Andrea Küthe Albrecht "Ayurveda mit heimischen Pflanzen".

 

Besonders wichtig ist auch die geistige Ebene!

 

Wie in der Pubertät, der anderen großen Umstellungsphase in unseren Lebensphasen, ist auch der Wechsel eine Zeit der Transformation, in der sich das Grundgleichgewicht ändert. Von der Pitta-Kraft (zwischen 15 und 45) treten wir langsam in die Vata-Zeit ein.

 

Die Kinder – so du welche hast – sind entweder in der Pubertät oder verlassen das Haus. Die Partnerschaft ist in die Jahre gekommen und wird hinterfragt. Auch das bedeutet Umbrüche, die für viele Frauen sehr tief gehen können.

 

Sie haben wieder Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen, mit ihren Träumen und (ungelebten) Wünschen, mit ihren Talenten und Möglichkeiten. Es wird Zeit, bewusst hinzuschauen und sich einzugestehen, wie sehr du deine eigenen Bedürfnisse unterdrückt hast und die persönliche Entwicklung gehemmt hast.

 

Körperlich nehmen viele Frauen jetzt besonders wahr, dass sie altern, sie fühlen sich nicht mehr so attraktiv wie erwünscht. Einstige Energie und Ausdauer sind nicht mehr so vorhanden wie gewohnt.

 

Um mit allen diesen Einflussfaktoren zurecht zu kommen, ist eine gute mentale Balance sehr wichtig! Es reicht nicht, seinen Körper zu hegen und zu pflegen und zu optimieren. Unser Geist ist in der Vata-Phase unser Potential – die weise Frau in uns darf zur Geltung kommen! Wir trainieren am besten unseren Geist durch Achtsamkeit, Reflektion, Kommunikation und Meditation.

 

Und wir akzeptieren, dass etwas Altes zu Ende geht und etwas Neuen beginnen darf. Nicht verbissen gegen die Veränderung ankämpfen, sondern das Neue annehmen. Das Menopausen-Mantra lautet: Ich darf sein wie ich bin.

Ich erfreue mich an meinen kreativen, spirituellen und heilenden Kräften und lebe

mit meinem Einfühlungsvermögen, meiner Intuition und meiner charismatischen

Ausstrahlung einer „weisen Frau“ im Einklang.

 

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen und Tipps mitgeben und die „weise Frau“ in dir wecken.

 

Herzlichst, deine Cornelia Pessenlehner

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