Nur wer loslässt, hat zwei Hände frei.

Kennst du folgende Situationen?

 

Du hast deine Freundin mit ihrer Familie zum Essen eingeladen. Unaufgefordert bringt sie die Muffins als Nachspeise mit. Du bedankst dich mit einer Packung Merci. Warum? Du möchtest niemandem etwas schuldig sein.

 

Oder eine Situation aus dem Arbeitsalltag: Du gehst fast unter vor lauter Arbeit, während deine Kollegen es schaffen pünktlich nach Hause zu gehen. Trotzdem bringst du es nicht über dich, sie zu fragen, ob sie von deiner ewig langen to-do-Liste etwas übernehmen könnten.

 

Kennst du die folgenden Gedanken? Wenn ja, dann beschäftige dich bitte mit dem stressverschärfenden Gedankenmuster „sei stark!“:

 

  • Am liebsten mache ich alles selbst.
  • Starke Menschen brauchen keine Hilfe.
  • Wenn ich mich auf andere verlasse, bin ich verlassen.
  • Ohne mich geht es nicht.
  • Es ist schrecklich, auf andere angewiesen zu sein.

Wenn du zum Einzelkämpfertum neigst, hast du wahrscheinlich einen überhöhten Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Autonomie. Dieser Wunsch ist verbunden mit einer ausgeprägten Angst vor Verlust dieser Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, Abhängigkeit von anderen und eigener Hilfsbedürftigkeit. Auch das Gefühl, anderen etwas schuldig zu sein, ist für dich unerträglich. Außerdem willst du niemandem zur Last fallen.

 

Menschen mit diesem Gedankenmuster verhalten sich typischerweise wie folgt: sie machen möglichst alles selbst, bitten nicht um

Hilfe und wird sie angeboten, nehmen sie sie nicht an. Schwierigkeiten, Sorgen und Ängste machen sie mit sich alleine aus.

 

Stressquellen sind für diese Menschen alle Zustände, die Hilfe von anderen erfordern, z.B. Krankheit, Gebrechlichkeit oder

Arbeitslosigkeit, ohne zumindest wieder etwas zurück geben zu können, aber auch fehlendes Wissen oder Kompetenz.

 

Sobald dieses stressverschärfende Gedankenmuster transformiert werden darf, geht die Entwicklungsrichtung der Gedanken dahin,

Hilfe annehmen zu können oder gar darum zu bitten und zu erkennen, dass die Summe eines Teams mehr ist als die Summe der Einzelteile. Auch einmal sich bei anderen anzulehnen, ist erlaubt und auszuhalten.

 

Folgende neue Gedanken können dir helfen:

  • Ich darf auch mal Schwäche zeigen.
  • Schwächen sind menschlich.
  • Ich darf um Hilfe/Unterstützung bitten.
  • Es gibt Hilfe/Unterstützung für mich.
  • Ich gebe anderen die Chance, mich zu unterstützen.
  • Ich darf mich auch mal fallen lassen.
  • Ich darf/kann delegieren.
  • Ich darf/kann mich auf andere verlassen/anderen vertrauen.
  • Ich muss nicht alles selbst/alleine machen.

In diesem Sinne wünsche ich dir viele kleine Gelegenheiten, in denen du lernen kannst, dich anderen anzuvertrauen, dich anzulehnen und Hilfe anzunehmen.

 

Herzlichst,

deine Cornelia Pessenlehner

 

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