Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss

Kennst du folgende Situationen?

 

Die Präsentation für den Chef ist noch nicht so schön wie du sie haben möchtest, er steht aber schon wartend in der Tür und dir bricht deshalb der Schweiß aus? Oder der Tisch ist noch nicht so schön gedeckt, wie du dir das vorstellst, aber die Schwiegereltern läuten eine Viertelstunde zu früh? Die Kinder haben sich Gras-flecken auf der Jean geholt, ihr seid aber schon am Sprung zu Freunden, deren Kinder immer sooo perfekt angezogen sind?

 

Solche Situationen sind sehr unangenehm für Menschen mit dem stressver-schärfenden Gedankenmuster „Sei perfekt!, weil es ihnen total gegen den Strich geht, wenn etwas nicht fehlerfrei ist oder zu 150 % abgeliefert wird.

 

Wenn dir mehrere der folgenden Sätze sehr bekannt vorkommen, dann setze dich mit deinem Gedankenmuster bitte näher auseinander:

  • Es ist nicht akzeptabel, wenn ich eine Arbeit nicht schaffe oder einen Termin nicht einhalte.
  • Ich muss immer für meinen Betrieb da sein.
  • Es gibt nichts Schlimmeres, als Fehler zu machen.
  • Auf mich muss 100%iger Verlass sein.
  • Ich muss immer alles richtig machen.

Wenn du zum Perfektionismus neigst, dann kennst du wahrscheinlich den Drang, für deine Leistung anerkannt zu werden und identifizierst dich über deinen Erfolg. Daher strebst du besonders stark nach einwandfreien Ergebnissen, in denen nur ja keine Fehler gefunden werden. Schlampigkeit ist in deinen Augen ein Frevel, Pragmatismus wird nicht als solcher erkannt, sondern gleichermaßen

angeprangert. Du hast Angst vor Misserfolg, Versagen oder eigenen Fehlern.

 

Um nur ja keinen Fehler zu machen, legen Perfektionisten folgendes Verhalten an den Tag: machen alles selbst, kontrollieren jedes Arbeitsergebnis, Termine werden unbedingt eingehalten, Überstunden werden gemacht, delegieren nicht, stehen immer zur Verfügung,

brechen Urlaub ab, investieren übermäßig viel Zeit in Details.

 

Stressquellen sind für Perfektionisten alles, was fehlerfreies Arbeiten gefährdet, z.B. Zeitmangel, Zeitverschwendung, Fehler, Kritik, schlampige Mitarbeiter, unklare Ziele oder schlechte Organisation. Von Perfektionisten hört man auch immer wieder die folgenden Worte, die ihre Kompromisslosigkeit zeigen: „immer, nie, alles, jeder“.

 

Wenn du deinen übertriebenen Wunsch nach einwandfreien Ergebnissen identifiziert hast und ihn ablegen willst, darfst du nach dem Motto „Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss“ lernen, pragmatisch zu arbeiten und deine Energie nicht unnötig zu verbrauchen. Wichtig ist es dann für dich auch, zu unterscheiden, in welchen Lebensbereichen und auf welche berufliche Aufgabe oder private Aktivität das perfektionistische Leistungsdenken nicht übertragen werden muss. Auch die Erkenntnis, dass Fehler nicht ein Untergang sind, sondern eine Möglichkeit, zu lernen, dürfen Perfektionisten zulassen.

 

Folgende Gedanken können dich dabei unterstützen:

  • Auch ich darf Fehler machen.
  • Aus Fehlern werde ich klug.
  • Oft ist gut gut genug.
  • Weniger ist manchmal mehr.
  • So gut wie möglich, so gut wie nötig.
  • Ab und zu lasse ich 5 gerade sein.
  • Ich gebe mein Bestes und achte auf mich.
  • Ich unterscheide zwischen wichtig und unwichtig.

 In diesem Sinne wünsche ich dir viele kleine Fehler, aus denen du entspannt lernen kannst und die du als Chance zur Weiterent-wicklung nutzen kannst.

 

Herzlichst,

deine Cornelia Pessenlehner

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Kommentare: 1
  • #1

    Petra Wagner (Samstag, 04 November 2017 08:30)

    Absolut high Level der Artikel, exakt am aktuellen Fokus der Wirtschaft und Unternehmenskompetenz ausgerichtet!