Wer „Ja“ sagt und „Nein“ meint, bringt sich in Stress.

Wie oft sagst du „Ja“ zu etwas, worum du gebeten wirst, obwohl du eigentlich viel lieber „Nein“ sagen würdest?

 

Kennst du folgende Situationen? Du hast deinen Kindern schon

hundertmal gesagt, sie sollen ihr schmutziges Geschirr in den Geschirrspüler räumen, aber sie tun es sehr oft nicht. Bevor du es einfach mal stehen lässt und schaust, was passiert, räumst es grummelnd weg, um keinen Streit vom Zaun zu brechen.

 

Oder ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag: du hast das Gefühl, dass du immer mehr arbeitest als deine Kollegin und Aufgaben vom Chef tendenziell eher bei dir landen als bei ihr. Trotzdem sagst du nichts, schluckst deinen Ärger runter und arbeitest noch ein bisschen schneller, um nur ja keinen Konflikt herauf zu beschwören. Bestimmt fallen euch noch ganz viele ähnliche Situationen ein.

Für Menschen mit dem stressverschärfenden Gedankenmuster „Sei beliebt! sind solche oder ähnliche Situationen sehr unangenehm, weil sie Konflikten sehr gerne aus dem Weg gehen und lieber zurückstecken als sich durchsetzen, um auf jeden Fall geliebt zu werden und sich angenommen zu fühlen.

 

Wenn dir mehrere dieser Gedanken sehr bekannt vorkommen, dann empfehle ich dir eine gründliche Auseinandersetzung mit diesem stressverschärfenden Gedankenmuster:

 

  • Ich will die anderen nicht enttäuschen.
  • Es ist schrecklich, wenn andere mir böse sind.
  • Ich will mit allen Leuten gut auskommen.
  • Es ist schlimm, wenn andere mich kritisieren.
  • Es ist wichtig, dass mich alle mögen.

 

Wenn du es gerne allen recht machen möchtest, dann kennst du wahrscheinlich den starken Wunsch nach Zugehörigkeit, Angenommen werden und Liebe. Du stellst fremde Interessen weit über deine eigenen Bedürfnisse und empfindest Menschen, die ihre eigenen Interessen kennen und berücksichtigen als Egoisten. Du hast Angst vor Ablehnung, Kritik und Zurückweisung.

 

Um es ja allen recht zu machen, legen diese Menschen folgendes Verhalten an den Tag: üben keine Kritik, passen sich den Erwartungen der anderen an, stellen die eigenen Bedürfnisse zurück, vermeiden Konflikte bzw. geben nach, sagen nicht Nein, wenn sie um etwas gebeten werden, versichern sich oft, ob alles passt.

 

Stressquellen sind für diese Menschen Konflikte jeglicher Art, Kritik, Ablehnung und Zurückweisung.

 

Sobald du das Gedankenmuster „Sei beliebt“ als stressverschärfend erkannt hast und es verändern willst, darfst du erkennen und

lernen, dass man nur gut auf andere schauen kann, wenn man zuerst auf sich selbst schaut. Eine etwas provokantere Formulierung deiner Entwicklungsrichtung wäre: „Die einen kennen mich, die anderen können mich.“ Es geht darum, dir zu erlauben, andere Menschen auch einmal zu enttäuschen und auszuhalten, dass andere nicht in allen Punkten mit dir zufrieden sind.

 

Gedanken, die dir dabei helfen können:

  • Ich darf "Nein" sagen.
  • Ich achte auf meine Grenzen und Bedürfnisse.
  • Ich sorge auch für mich.
  • Ich bin gut zu mir.
  • Ich darf andere enttäuschen.
  • Ich kann/will/muss es nicht allen recht machen.
  • Nicht alle anderen müssen mich mögen.
  • Kritik gehört dazu.
  • Ich darf kritisieren/meine Meinung sagen.
  • Ich darf kritisiert werden.

In diesem Sinne wünsche ich dir viele Situationen, in denen du erkennen kannst, dass du auch weiterhin gemocht wirst, wenn du auf dich schaust und ganz bewusst "Nein" sagst, wenn eine Anforderung für dich nicht passt.

 

Herzlichst,

deine Cornelia Pessenlehner

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Kommentare: 3
  • #1

    Der Dicke Wiener (Donnerstag, 09 November 2017 22:47)

    Liebe Cornelia, danke für die super Ausführung. Jeder sollte sich darüber Gedanken machen wie er Stress vermeiden kann! LG https://www.derdickewiener.at/

  • #2

    Petra (Freitag, 10 November 2017 05:44)

    Wie Recht du hast liebe Cornelia! Ab und zu, in der richtigen Situation zum richtigen Zeitpunkt ein klares Nein ist legitim und absolut befreiend! Danke für diesen gelungenen Artikel. In diesem Sinne eure EPU Queen www.wagnerakademieblog.wordpress.com

  • #3

    Ingrid (Sonntag, 12 November 2017 21:25)

    Danke für deinen Blog �